Das Zimmer meiner grossen Schwester war für mich immer ein besonderer Ort. Wenn ich die Tür öffnete, kam mir sofort der typische Geruch entgegen, eine Mischung aus ihrem Parfüm, Haarspray und ein bisschen Staub. Für mich fühlte es sich an, als würde ich in eine Welt eintreten, die ein Stück erwachsener und spannender war als meine eigene. Die Wände waren hell, und an manchen Stellen bröckelte die Tapete ab. An den Wänden hingen Poster von Musikern und Schauspielern, die für sie damals wichtig waren. Neben ihrem Bett stand ein Regal, voll mit Büchern, alten Zeitschriften und kleinen Erinnerungsstücken. Auf der Fensterbank sammelten sich Parfümflaschen, Kerzen und ein paar verstaubte Figuren, die sie nie weggestellt hatte. Im Zimmer war es selten still: Musik spielte, ihre Freunde waren da, und man hörte Lachen und Stimmen, die den Raum füllten. Es war selten ordentlich: Klamotten lagen auf dem Stuhl, Schulsachen irgendwo verteilt, Haargummis und Lipglos auf dem Schreibtisch. Aber genau das machte den Raum lebendig. Jeder Gegenstand erzählte eine kleine Geschichte. Am schönsten war es, dass ich dort nie allein war. Das Zimmer war voller Leben, voller Gespräche und guter Stimmung. Gleichzeitig schenkte es mir ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, dass ich bis heute nicht vergessen habe.