Paula Brünjes

Raum Schaffen

Innenraum Collage
Kohlezeichnung 1
Kohlezeichnung 2

Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, kommt mir sofort das Materialarchiv im Architekturbüro meiner Eltern in den Sinn. Ein kleiner Raum am Ende des Gangs eine Glastür. Dahinter, mein eigenes Reich. Mitten im Alltagsstress meiner Eltern, war es mein Rückzugsort. Sobald die Tür hinter mir zu fiel, war ich durch die gedämpfte Raumakustik abgeschottet von der Außenwelt. Ab und zu wurde Ich durch ein Lautes Telefonat der Mitarbeiter aus meiner Traumwelt geholt. Wenn das Dachfenster gekippt war, waren besonders die Strassen-Geräuche und Baustellen zu hören. Ich kann mich noch genau an das Geräusch vom Bus erinnern, der regelmäßig vor dem Büro vorbeifuhr. Der Raum hatte eine Dachschräge mit nur einem kleinen Dachfenster, so dass nur ich als kleines Mädchen richtig darinstehen konnte. Es war eher dunkel und um mich herum war alles voller Musterstücke: Teppiche, Gardinen, Türgriffe, Fliesen, Holz…und so weiter. Die niedrige Raumhöhe und wenig Belichtung gaben mir das Gefühl einer Höhle, das Gefühl von Geborgenheit. Der Geruch war durch die vielen unterschiedlichen Materialien sehr vielfältig. Je nachdem ob ein neues Musterstück, wie zum Beispiel ein geölter Parkettboden, im Raum war, wurde der eher Muffige Geruch durch den Geruch von Öl schon fast aufgefrischt. Durch weniges Lüften ging es jedoch nicht lange und der Raum roch wieder so wie ich Ihn kannte. Für mich waren besonders die geringe Raumhöhe und die vielen Muster von Bedeutung. Da sonst kaum Jemand in das Archiv ging, wurde es zu meinem Raum, in dem ich machen konnte, was ich wollte. In dem nur Ich richtig stehen konnte und der mich und mein Gefühl für Materialien und Ihre Beschaffenheit geprägt hat.

Papiermodell 1
Papiermodell 2 / Prozessbild
Gussmodell 1
Gussmodell 2 / Atmosphärisches Bild