Ich öffne die Tür. Ein warmer Duft von verbranntem Holz steigt mir in die Nase, dicht und vertraut. Die dunklen Holzbalken an der Decke werfen Schatten über den Raum, lassen ihn zugleich geborgen und geheimnisvoll wirken. Unter meinen Füssen knarrt das Parkett aus kleinen Holzklötzchen, jedes mit eigener Maserung. Links vor mir steht eine knallrote, glänzende Kiste – rund, etwa sechzig Zentimeter hoch, wahrscheinlich aus Karton. Der Deckel ist mit handgemalten gelben Blumen verziert, leicht verblasst vom Alter. Als ich ihn anhebe, steigt mir der Geruch von Pappe und Staub entgegen. In der Tiefe liegen alte Legosteine – Überbleibsel aus der Kindheit meiner Mutter und ihrer Geschwister. Hinter der Kiste steht ein schmales, antikes Tagesbett aus den Sechzigerjahren. Ich lasse meine Hand über die grobe, melierte Wolldecke gleiten, die sich kühl und kratzig anfühlt. Am Fussende erhebt sich ein dunkler, fast schwarzer Schrank. Das Holz knarrt leise, als ich eine der Türen öffne – ein Geräusch, das kurz die Stille des Raumes durchbricht. Zur Rechten verläuft eine niedrige Fensterbank aus Backstein. Darauf ruhen rostfarbene Tonkugeln, unregelmässig geformt, jede ein Werk meiner Grossmutter. Darüber breitet sich ein grosses Fenster aus. Durch die Schlitze des halb geschlossenen Rollladens blitzt das Grün des Rasens draussen. Mein Blick folgt der Linie der Backsteine weiter nach rechts, bis er auf das weisse, moderne Cheminée trifft. Sein glatter Putz hebt sich klar vom rustikalen Holz und den Backsteinen ab. Ich trete näher, spüre die zunehmende Wärme auf meiner Haut. Das Feuer knistert, ein leises Atmen, das den Raum mit Leben füllt. Ich setze mich auf die aus Backsteinen gemauerte Bank daneben. Die Wärme durchdringt meine Kleidung und legt sich sanft um mich. Im Augenwinkel sehe ich, wie mein Grossvater den Raum betritt. In seiner Hand hält er einen Teller mit einem Stück Lamm, eingerieben mit Senf und Kräutern – sein Spezialgericht für besondere Anlässe. Kurz darauf vermischt sich der Duft des Holzes mit der würzigen Note der Kräuter. Der Raum lebt – warm und vertraut.