Das Zimmer ist ein Abstellraum, früher mal belebt, der wichtigste Zufluchtsort meiner Tante. Nur ihr Name, der auf alten Ordnern steht, die haufenweise in Schränken gestopft sind, erinnert an die Jahre ihrer Jugend. Vielleicht tun das auch die Sterne. Die kleinen Aufkleber, die an der Decke noch ein schwaches Licht zum Vorschein bringen und mich jeden Abend in den Schlaf begleiten. Dieser Nachthimmel ist dem Staub entkommen, der sonst das komplette Zimmer bedeckt. Unter dem Ausziehsofa verbergen sich Krümmel, Staub, Dreck und Papierfetzen: ein gemeinsames Kunstwerk der Zeit und der vielen Besuche meiner Schwester und mir, in denen wir Keks-essend auf dem Bett gemalt haben. Das solch ein Ort die eigene Kreativität antreibt ist inmitten der alten Ordner und verstaubten Möbeln zuerst wunderlich. Doch etwas näher betrachtet fällt einem auf, wie diese verstaubte Vergangenheit durch das Licht, dass durch das Fenster scheint, belebt wird. Der Raum hellt auf, weckt die wenigen Pflanzen, die im Zimmer friedlich über alles wachen. Die Strahlen geben auch den grauen, blassen Ordnern, ein neues Gesicht. Diese verbergen teilweise doch Farben: hell-blaue und lila Töne schmücken jetzt die ganze Wand. Das Licht fällt auch auf die Magazine die gestapelt auf dem Schreibtisch liegen. Mühsam hat dieser sich über die Jahre gebildet als jede Woche das neueste Exemplar des –art- Magazin, das meiner Oma geliefert worden ist, das vorherige dazu verurteilt hat, auf den Schreibtisch des Abstellraums zu landen. Über dem Bett, auf einem Brett an der Wand, steht ein Setzkasten mit tausend Fächern. Jedes davon beherbergt Miniatur Gegenstände: Stühle, Döschen, eine Gitarre, einen Pokal. Mit einer Sorgfalt, die dem Raum so fremd ist, stehen all diese Objekte an ihren Plätzen, und begegnen nur ab und zu den Krümeln und dem Staub hinter dem Sofa, wenn sie aus kleinen Kinderhänden fallen.