Jon Floyd Lenz

Süsses, sonst gibts Saures

Innenraum Collage
Kohlezeichnung 1
Kohlezeichnung 2

Der schwarze, geschliffene Granitboden wurde gerade eben wieder mit dem grauen Malerteppich überzogen. Unten plastifiziert, oben eine Materie, die wie geschredderter Stoff aussieht. Rote, blaue, weisse Fasern durchspinnen das grosse Grau. Es handelt sich klar um einen funktionalen Teppich. Er gibt dem Raum wärme. Vielleicht kommt diese aber auch von der definitiv funktionierenden Bodenheizung. Die Wände sind weiss, bilden jedoch eher spartanische Abgrenzungen zwischen den riesigen Scheiben, die über das Dorf hinweg die umliegenden Wälder einrahmen. Es ist ein zeitloser Ort. Ich schnappe dumpf den TV oder Gesprächsfetzen aus dem Wohnraum auf, der sich direkt unter uns befindet. Direkt unter der Galerie. Vermutlich wären die Gespräche lauter, als ich sie höre? Da prangt ein mächtiger Tisch. Vielleicht ist es eine Kommode. Direkt vor der Fensterfront. Die knallpinke Glasplatte stützt sich durch kurze Stangen auf einem chromfarbenen Korpus, voller Schubladen. Das Konstrukt ist super! Wenn ich neben den zahlreichen, leicht verstaubten Leinwänden vorbeikrieche, kann ich mich gut dahinter verstecken! Die andere Seite besticht durch ihr geordnet, chaotisches Inneres. Vergilbte Verpackungen, alte Kartonrollen, verbogener Draht, Bubble-Folie, leuchtende Glas- und Holzperlen, kuriose Plastik- und Metalldingsies. Überstellt mit diversen Pinseln, etlichen Farbtuben und Tinte Flaschen. Der Tisch wirkt fast wie ein Fremdkörper in diesem sonst farblosen Raum, aber der Geruch von Aceton und Bitumen trägt die Magie des pinken Wundermöbels bis zum Teppichrand. Ich verbringe ganze Tage hier, manchmal zusammen mit meiner Grossmutter, oft aber allein. Die Farbe tropft auf den klar funktionalen Teppich. Es ist okay, wenn Farbe sich verteilt, sie wird ja trocknen. Wir befinden uns im Atelier meiner Grossmutter.  

Papiermodell 1
Papiermodell 2 / Prozessbild
Gussmodell 1
Gussmodell 2 / Atmosphärisches Bild