Noemi Chantal Weber

Geborgen in der Dunkelheit

Innenraum Collage
Kohlezeichnung 1
Kohlezeichnung 2

Wenn ich an meine Kindheit denke, erinnere ich mich sofort an das Wohnzimmer meiner Grosseltern. In einer unauffälligen Ecke verbarg sich eine kleine Abstellkammer. Sie lag direkt unter der Dachschräge, sodass die Decke schräg nach unten lief und der Raum immer niedriger wurde, je weiter man hineinkroch. Dadurch wirkte er gedrungen, fast so, als würde er einen langsam zusammendrücken. Es gab weder Fenster noch Licht, nur eine Dunkelheit, die den Raum füllte und ihn geheimnisvoll erscheinen liess.   Meine Schwester und ich liebten es, uns in diesen versteckten Ort zurückzuziehen. Für uns war die Kammer wie ein geheimes Versteck, das nur uns gehörte. Drinnen roch es nach altem Holz von den Balken der Dachschräge, gemischt mit einem feinen Staubgeruch, der in der Luft lag und sich auf alles legte. Der Boden knarrte manchmal leise.   Der Raum war klein, eng und hatte etwas Unheimliches. Gleichzeitig fühlten wir uns darin geborgen, fast beschützt. Die Enge zwang uns, zusammenzurücken, leise zu sprechen und zu flüstern. Unsere Stimmen klangen dort dumpfer, als ob die schrägen Wände sie zurückhielten. Für uns war es ein besonderer Platz, ein Rückzugsort, an dem wir Geheimnisse austauschten und uns eine eigene kleine Welt erschufen.   Heute denke ich gerne daran zurück. Auch wenn der Raum dunkel und beengt war, war er für mich ein besonderer Ort voller Erinnerungen und kindlicher Fantasie.

Papiermodell 1
Papiermodell 2 / Prozessbild
Gussmodell 1
Gussmodell 2 / Atmosphärisches Bild