Hoch oben in den Ästen, verborgen zwischen grünen Blättern, befand sich das Baumhaus meiner Kindheitsfreundin. Das kleine Häuschen war unser „Geheim“-Versteck, ein Platz voller Abenteuer und Freiheit. Von dort aus konnte man auf das Gartenpavillon klettern – ein waghalsiger Übergang, der für uns zum geheimen Pfad wurde. Das Baumhaus selbst war ein heller Raum, durchflutet von Sonnenstrahlen, die sich durch die Blätter drängten. Das Licht malte ein lebendiges Muster auf die Holzbretter, das sich im Wind ständig veränderte. Während ein Teil in der Sonne lag, tauchten die Schatten der Zweige andere Stellen in ein kühles Grün. Die Atmosphäre wurde von den Geräuschen getragen; das Zwitschern der Vögel, das Rauschen des Windes in den Ästen und das ferne Stimmengewirr der spielenden Kinder auf der Quartierstrasse. Diese Klänge bilden eine vertraute Kulisse, die unser Baumhaus gleichzeitig geborgen und weit offen wirken liess. Es war der Lieblingsort meiner Kindheit – dort verbrachten wir unzählige Nachmittage, schmiedeten Pläne und sahen die Welt von oben.