Vor mir eröffnet sich der Weg ins Ungewisse. Ein Zugang, aus dem heraus mich lungernde Finsternis anzustarren scheint. Es kostet mich einige Überwindung, mich von meinem Hochbett abzustossen und durch die Deckenluke in den darüberliegenden Dachboden zu ziehen. Schwärze umhüllt mich. Das Licht, das aus meinem Zimmer von unten durch die Luke blickt, kommt nicht gegen die Dunkelheit an, die sich hier oben eingenistet hat. Doch taste ich mich mutig nach vorne, strecke meine Fingerspitzen aus, wissend, dass sich gleich alles wandeln wird. Schummriges Licht erhellt den kleinen Raum, fällt warm auf die hölzernen Wände und drängt sich in jeden erreichbaren Winkel des Dachbodens, der unter der Dachschräge gerade hoch genug ist, dass ein Kind ihn bequem durchgehen kann. Vorausgesetzt keine der vielen, sich stapelnden Kisten versperrt den Weg. Vollgestopft mit alten Babykleidern, Spielzeugen und Büchern, die zum Teil noch aus der Kindheit meiner Eltern stammen, beherbergen diese Kisten ein Archiv der letzten Jahre und Jahrzehnte. Eine Quelle der Nostalgie, die ich in meiner Kindheit zwar deutlich spüre, wenn auch nicht ganz einzuordnen weiss. Im hinteren Teil des Dachbodens füllt eine querliegende Matratze die Raumbreite. Erleichtert schlüpfe ich unter die Decke und mache es mir in den vielen Kissen bequem. Hier oben ist es warm und ruhig, die Luft ist etwas stickig und manchmal fühle ich mich wie in einem Kokon, der mich behütet vor der Welt da draussen. Dies ist mein Raum der Sicherheit. Mein Rückzugsort an dem mich niemand findet. Viele Jahre später versteckt sich der kleine gemütliche Dachboden nach wie vor hinter der dunklen, beängstigenden Luke, doch hat sich seine Bedeutung für mich geändert. Auf der Suche nach Kindheitserinnerungen bücke ich mich unter der Dachschräge. Der Dachboden ist mein Kokon der Kindheit, aus dem ich nun herausgewachsen bin.